Text - nix ist so mächtig wie das Wort


Download
Geh'n wir mal zu Hagenbeck
Erlebnisse im Zoo. Tatsachenbereicht eines Betriebsausflugs. EN, Tiedemanns Elbansicht vom 17. September 2013
Hagenbeck.mp3
MP3 Audio Datei 4.2 MB

Ein heißes, heißes, Eisen hab ich da angefasst und das ohne es zu wissen. Auf der Suche nach ein paar billigen Lachern durch ein paar abgedroschene Pointen und tausendmal gehörte Klischees hab ich scheinbar doch mit dem Knüppel auf ein Wespennest geschlagen:

"Für mich ist auch sechste Stunde..."

Jetzt, da sich wieder einmal ein Schuljahr langsam seinem Ende zuneigt und die letzten drei Wochen Schule mit Wandertagen, Selbstbeschäftigung und der Projektwoche abgebummelt wird, ist es mal Zeit ein Metier zu würdigen, die zuweilen einen noch schlechteren Stand hat, als beispielsweise die der Trickbetrüger, Heiratsschwindler oder Bibliothekare. Ich breche jetzt einmal eine Lanze für eine Berufsgruppe, die es eigentlich nicht verdient hat. Die Lehrer.

 

Frei nach Westernhagens „Dicke“ singe ich fast jeden Morgen auf dem Weg ins Bad folgende Zeilen aus voller Überzeugung „Ich bin froh, dass ich kein Lehrer bin, denn Lehrer sein ist Quälerei“.

 

Mal ehrlich, als Lehrer hat man es echt schwer, denn man muss nicht nur einen altersschwachen Passat oder röhrenden Volvo 240 Kombi mit Elchaufkleber fahren, sondern hat außer Cordhosen, Strickjacken und Flanellhemden im Grunde nichts richtiges anzuziehen, zumindest wenn man Mathe-Physiklehrer ist. Allein schon diese Reduzierung in der Wahl der eigenen Kleidung und des Autos, macht Lehrer per se unattraktiv und partnerschaftlich eigentlich kaum vermittelbar. Somit machen Lehrer auch aus der Not oft eine Tugend und heiraten einfach ihre Kolleginnen weg, daher kommen immer wieder die ganzen doppelten oder Doppelnamen an den Schulen zustande. 

 

Man muss aber auch sagen, dass die Lehrer es sich selbst schwer machen. Behaupten die Lehrer vor ihren Schülern doch immer wieder auch nur Menschen zu sein, doch auch weit nach Feierabend, also nach 13 Uhr, bleibt ein Lehrer immer Lehrer. Trifft man sie beim Einkaufen, im Kino oder an der Frittenbude, können sie nicht aus ihrer Haut und stets haben sie diesen humorlosen Gesichtsausdruck, der nach Hausaufgaben und Unterwürfigkeit verlangt. Auch ich bin dann immer noch ewiger Schüler wenn ich mal einem meiner alten Pauker treffe und werde natürlich auch fünfzehn Jahre nach meinem letzten Schultag immer noch konsequent geduzt und rechne jeden Moment damit mit einem Stück Kreide oder einem Schlüsselbund beworfen zu werden.

 

Nein, nun mal im Ernst, Lehrer sein ist schon wirklich ätzend. Wenn die Gören dich nerven, dann darfst du denen nicht einmal eine reinhauen, sondern du musst dich mit solchen Schlaumeier-Sprüchen wehren, wie etwa „Für mich ist auch sechste Stunde“ oder „Wenn ich spreche, habt ihr Sendepause“. Ach, wie schäbig. Ich bin wirklich froh, dass ich kein Lehrer bin.

 

 


Tja, im Grunde ein Elbansicht wie jede andere... dachte ich. Die Antworten ließen nicht lange auf sich warten:

Tja, auch eine Meinung. Es kam aber noch gewaltiger, denn sogar der Schulrat des Kreises Pinneberg meldete sich zu Wort.

 

Tja, jedes weitere Wort meinerseits wäre jetzt nix anderes als eine Rechtfertigung. Sag ich doch, Lehrer bleibt Lehrer...

 

 


Bauer sucht Frau
Dank der versierten und bekannt seriösen Hilfe von RTL werden jetzt ja reihenweise die Landwirte der Nation fachkundig beweibt. Bei „Bauer sucht Frau“, der Kuppelshow direkt aus dem Stall, suchen alleinstehende Landwirtssöhne eine Frau, irgendeine. Die wenig telegenen Landmänner stellen sich meist nicht wenig plump an und vermitteln eher den Eindruck, als würden sie auf einer Viehaktion eine Milchkuh ersteigern und nicht um eine mögliche Partnerin werben. Es wird mich nicht wundern, wenn in einer der nächsten Sendungen so ein Kuhstallsingle eine Kandidatin unvermittelt am Kopf packt und ihr mit beiden Händen den Mund aufreißt, um die Beschaffenheit ihrer Zähne zu kontrollieren.


Ich weiß nicht, ob man nun Mitleid mit den ledigen Landwirten haben sollte oder sich eher über ihre rohe Unbeholfenheit amüsieren. Man muss sich nämlich fragen, ob das tatsächlich Flirten sein soll, wenn er locker vom Trecker ein paar Anweisungen mault oder doch eher die Suche nach einer kostenlosen Arbeitskraft, die natürlich auch kochen und waschen können muss und auch... na, sie wissen schon. Zwei-, dreimal die Woche würde ja schon reichen, waschen und kochen natürlich täglich.


Es wäre aber nicht fair nur über die spleenigen Landeier auf Brautschau zu frotzeln. Die Vorstellungen, mit denen so manch naiv gestricktes Frauenzimmer in Stöckelschuhen und voller Kriegsbemalung vorm Misthaufen steht und noch nie so einen großen Haufen-Scheiße gesehen hat, außer das Nachmittagsprogramm von RTL vielleicht, lassen an der Existenz von Grips unter der überkandidelten Frisur doch stark zweifeln. Frühstück im Heu oder Ausflüge auf dem Pferderücken gibt´s eben doch nur auf Immenhof, liebe Grüße von Dick und Dalli.


Sollte die Dame sich doch schon als glücklich schätzen, wenn die unvermeidlich mit im selben Haus wohnende, griesgrämige Mutter in Kittelschürze und unterm Kinn festgezurrten Kopftuch sie nicht schon nach einer halben Stunde vom Hof knüppelt. Genau diese Mütter dulden nämlich keinen Widerspruch oder Nachfragen, wenn in Mundart Anweisungen gebellt werden, wie der Sohn nach getaner Arbeit zumindest kulinarisch zu beglücken sei.


Welche Frau dann nicht von alleine merkt, dass die Chemie da einfach nicht stimmen will, die muss doch spätestens dann peilen, dass das nichts wird, wenn er bei ihrer herzlichen Umarmung die Hände in den Hosentaschen behält oder sagt: „Ausmisten kannst du ja schon ganz gut, aber du bist mir ehrlich gesagt einfach zu dick!“


Bibliothekar sucht Frau
Zu der obigen Kolumne ist noch zu sagen, dass ja nun nicht alle Bauernsöhne verklemmte Vollspaten sind. Die schwervermittelbaren Beziehungsnieten, die wir bei „Bauer sucht Frau“ sehen, sind wahrhaftig die Exoten ihrer Branche. So wird aus einer Heiratsvermittlung eher eine Freakshow, die zumindest ich mit einer Mischung aus Schaudern und Voy-eurismus gucke.


Die Ledigenquote wird bei Bauern nicht viel höher liegen als bei anderen Berufsgruppen. Es gibt doch Berufsgruppen, denen viel offensichtlicher das Prädikat „absolut unsexy“ anhaftet. Wie zum Beispiel den Lehrern, die sich aber fast durchweg damit behelfen, dass sie einfach ihre Kolleginnen wegheiraten. Daher kommen auch die ganzen doppelten oder Doppelnamen an den Schulen.


Die ärmsten Säue aber und größten Katastrophen in Beziehungsangelegenheiten sind die Angehörigen einer Berufsgruppe, die viele bereits für ausgestorben halten und eher als Scherz ansehen, wenn man sie auf Nachfrage nennt. Wenn ein Metier dringend der Hilfe einer Fernsehsendung zur Beweibung bedürfe, dann ist es zweifelsohne das der durch wenig Vorschusslorbeeren ausgestatteten Bibliothekare. Hoffnungsvolle Partygespräche finden ihr schnelles Ende, wenn beispielsweise solche Frauen, die sich laut Selbstauskunft gerade „beruflich orientieren“, aber am liebsten irgendwas mit Werbung machen würden, mitbekommen, dass man eben so einer ist, beim sofortigen Weggehen und ohne eine Antwort abzuwarten, sagen: „Das ist irgendwas mit Büchern, oder?“ Ja, genau. So schnell kann man gar nicht „Leihfristüberziehung“ sagen, wie man alleine stehen gelassen wird.


Es geht aber auch direkter. Ich wurde einmal gefragt, was ich denn so beruflich machen würde. Ich holte tief Luft und erklärte recht feierlich: „Ich bin Bibliothekar!“ Mit dem Gefühl soeben den Oscargewinner verkündet zu haben, erwartete ich eine entsprechende Reaktion. Die Antwort war ungewöhnlich, aber eindeutig: „Aha, das ist ja auch langweilig, ne!“ Tja, was sollte ich da erwidern? Ich wahrte Fassung, nur innerlich traf mich eine Abrissbirne. Ich nickte einfach und stimmte ihr zu.


Wahrscheinlich ist es nur mein persönliches Glück, dass ich die Partnerwahl vor der Berufswahl klären konnte. Fragt mich heute eine, sage ich stets nur noch „Irgendwas mit Büchern…“ und warte auf den Tag, an dem die erste Folge von „Bibliothekar sucht Frau“ kommt.